Bindung, Beziehung, Erziehung, Ausbildung

All diese Wörter begegnen einem oftmals vor allem im Kontakt mit Trainern und anderen Hundebesitzern. Denn selbst hat man sich gerade über die Begriffe Bindung und Beziehung meistens kaum Gedanken gemacht. Aber spätestens wenn ein Problem im Training auftritt, wird einem gerne mal eine schlechte bis gar nicht vorhandene Bindung des Hundes zur eigenen Person unterstellt. Entweder passiert dies unprofessionieller Weise direkt vom Trainer oder von einem "übereifrigen" Trainingsteilnehmer, während man sich eigentlich nur locker über das Hundetraining austauschen wollte.


Egal, wer es zu einem sagt, gerade wenn man noch ganz am Anfang steht und die "Hundeszene" erst kennenlernt, wird es einen treffen, verletzen und je nachdem wie man sich danach verhält sicherlich spätestens jetzt die Beziehung (nicht die Bindung!) zum eigenen Hund verschlechtern.


Ich finde es daher sehr wichtig, dass man einmal differenziert über die einzelnen Begriffe nachgedacht hat und sie für sich definiert hat. Denn nur dann kann es einen nicht unvorbereitet treffen, wenn einem eine fremde Meinung angetragen wird, die vielleicht gar nicht der eigenen entspricht.


Bindung

Eine Bindung entsteht, in dem Moment, in dem man sich dazu entscheidet, sie einzugehen. Es gibt keine gute oder schlechte Bindung. Entweder ist sie da oder nicht. Somit kann man auch nicht an einer Bindung arbeiten, um sie zu verbessern. Und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum es einen so sehr trifft, wenn man gesagt bekommt: "Dein Hund hat keine Bindung zu dir." Denn man fühlt, dass man daran nichts ändern kann.

Glücklicherweise hat man immer eine Bindung zu seinem Hund und dieser auch zu einem. Bei allen Welpen, die wir zu uns nach Hause geholt haben, gab es irgendwann den Moment, wo man ihn auf dem Arm hatte und dachte: "Das ist er. Den nehmen wir mit!" Ob nun selbst ausgesucht oder vom Züchter. Es gibt diesen Moment, in dem man sich entscheidet, eine Bindung einzugehen.


Manche Welpen zeigen schon beim Züchter eine Sympathie, indem sie an einem liegen und Nähe suchen. Andere sind vor allem auf ihre Mutter oder den Züchter fixiert und binden sich erst im neuen Zuhause an den oder die neuen Menschen. Aber sie tun es! Irgendwann in den ersten paar Tagen merken sie, wer zu ihrem neuen Umfeld gehört. Es entsteht eine Verbindung, die genau wie die Bindung zum Züchter nicht mehr gelöst werden kann.



Beziehung

Eine Beziehung kann im Gegensatz zur Bindung tatsächlich "gut" oder "schlecht" sein. Daher kann sie sich auch verbessern oder verschlechtern. Eine Beziehung wird maßgeblich durch den Kontakt zueinander bestimmt und kann, wenn dieser ausbleibt, beendet werden.


Eine Bindung würde allerdings auch ohne eine Beziehung zueinander bestehen bleiben. Es ist wie in der Familie. Auch auf weite Distanzen bleibt die Bindung erhalten. Die Art der Beziehung hingegen hängt davon ab, ob weiterhin der Kontakt gepflegt wird oder nicht, ob man Gemeinsamkeiten hat und wie gut man sich versteht.


Eine Beziehung basiert auf den Emotionen, die man dem anderen gegenüber hegt. Ein Überschuss an guten Emotionen, die im Kontakt mit dem anderen ausgelöst werden, führt zu einer guten Beziehung. Eine schlechte Beziehung entsteht, wenn überwiegend schlechte Emotionen mit dem anderen verknüpft werden.


Genauso ist es bei Mensch und Hund. Gerade in der Anfangszeit hat man den großen Vorteil, dass der Hund schon sehr viele positive Dinge mit einem verknüpft, wenn die Person, die für die Erziehung zuständig ist, auch die Fürsorge des Hundes (Füttern, Rauslassen, Sozialkontakt) übernimmt.


Gerade in der "Pubertätsphase" kann es aber dazu kommen, dass man sich mal gegenseitig "auf die Nerven geht". Der Mensch ist genervt, weil der Hund einen zu ignorieren scheint und der Hund ist genervt, weil man ihm ständig alles verbietet, wozu er gerade Lust hat.


Wenn einem nun jemand sagen würde: "Eure Beziehung leidet gerade, weil ihr euch gegenseitig auf die Nerven geht.", kann man da meiner Meinung nach wesentlich besser mit umgehen, wenn man weiß, dass es sich "nur" um die Beziehung handelt, aber nicht um die Bindung. Denn da die Bindung bestehen bleibt, kann man auf diesem Fundament die Beziehung jederzeit neu aufbauen und verbessern, sobald man etwas im Umgang mit dem Hund dazu gelernt hat.


Update 11.06.2020:

Ein Video zum Thema: Urvertrauen – Das Band zwischen Mensch und Hund in der ZDF Mediathek.

https://www.zdf.de/dokumentation/3sat-wissenschaftdoku/urvertrauen-das-band-zwischen-mensch-und-hund-102.html


Erziehung

Bei der Erziehung geht es vor allem darum dem Hund zu vermitteln, was in der Mensch/Hund Beziehung erlaubt ist und was nicht. Anspringen, beißen, schnappen, knurren und vieles mehr sind in der hündischen Kommunikation völlig normal, dürfen aber im Kontakt mit dem Menschen nicht eingesetzt werden.


Man könnte meinen, dass das dem Hund schwerfallen müsste, aber auch Hunde sind es natürlicherweise gewohnt Unterschiede zu machen. Mit dem einen Artgenossen gehen sie forscher um, als mit dem anderen und rempeln diesen vielleicht sogar distanzlos über den Haufen. Bei einem anderen hingegen halten sie Abstand und geben sich zurückhaltend und höflich.


Wenn ein Hund diese Unterschiede macht, bedeutet es, dass er gelernt hat, mit anderen zu kommunizieren und entsprechend flexibel zu reagieren. Dies ist ein gewünschtes und vor allem natürliches Verhalten, dass der Hund schon kurz nach der Geburt lernt.


Das geschieht, da er sich als Welpe stark ausprobiert und merkt, dass er mit seinen Wurfgeschwistern anders umgehen kann, als mit seiner Mutter. Er lernt die Zeichen seines Gegenübers zu deuten, die ihm signalisieren, wie der andere auf sein Verhalten reagieren wird. Dies kann z. B. ein Blick, ein fast unmerkliches Anspannen oder locker werden des Körpers, ein Hochziehen der Lefze, ein Wegdrehen oder ein Zuwenden sein. Es gibt viele unterschiedliche Signale, die Hunde geben können, um miteinander zu kommunizieren und diese sind wesentlich unauffälliger als ein Bellen oder Knurren.


Wenn der Mensch den Welpen übernimmt, muss dieser ihm also beibringen, wie die hündischen Signale, die er bereits kennt, aussehen, wenn ein Mensch sie gibt. Dafür ist es sehr wichtig eine authentische Reaktion auf das Verhalten des Hundes zu zeigen.


Ein beliebter Ratschlag ist "Aua" zu sagen, wenn der Welpe einen mit seinen spitzen Milchzähnen beißt. Aber das Wort alleine reicht nicht aus. Auch nicht, wenn man es schrill oder laut sagt, um ein Quietschen zu immitieren, dass die Geschwister abgeben würden.


Denn schaut der Welpe einem ins Gesicht, wenn er das Geräusch das erste Mal hört und sieht dann keinerlei Regung in den Gesichtszügen, kann er nicht verstehen, was das Geräusch bedeutet. Er hakt es dann nach mehreren Wiederholungen vielleicht als unwichtig ab und schaut schon bald nicht mal mehr zu einem hoch. Schließlich hat das Geräusch keinerlei Konsequenzen für ihn gehabt.


Schaut er jedoch jedes Mal in ein ärgerliches Gesicht, wenn er seine Zähne zu sehr einsetzt, wird er recht schnell merken, dass dieses Verhalten nicht gewünscht ist, da er das bereits von seiner Mutter und seinen Geschwistern kennt.


Dies funktioniert allerdings so nicht als "Einzelübung". Die gesamte Erziehung muss nach diesem Prinzip ablaufen. Macht der Hund etwas vorsichtig und nett, muss ich mich genauso echt freuen, wie ich erbost bin, wenn er unvorsichtig und grob mit mir umgeht.


Denn genau darum geht es in der Erziehung: Um den Umgang mit dem Menschen. Es geht nicht um Kommandos, die der Hund ausführen soll, sondern nur darum, wie er sich in bestimmten Situationen verhält und wie er damit umgeht, wenn etwas nicht so läuft, wie er es sich vorstellt. (Siehe auch: Frustrationstoleranz)

Man formt also durch die Erziehung den Charakter und das Verhalten des Hundes, das er zeigt, wenn er sich frei bewegt und ihm kein Kommando gegeben wurde.


Aber auch der Mensch muss, genau wie der Hund mit seinen Artgenossen, Unterschiede machen, je nachdem was man für einen Charakter vor sich hat. Für einen eher zurückhaltenden sanften Hund, reicht vielleicht schon der "böse Blick" als Drohung aus. Ein körperlich sehr robuster, forscher Hund braucht vielleicht auch mal einen Stubser, der signalisiert: "Hey! Du hast mich gerade über den Haufen gelaufen und das war nicht okay!"


Natürlich ist damit keinesfalls gemeint, dass man mit dem Hund emotional umgehen soll. Beleidigt sein, sich nachtragend verhalten oder sogar "auszurasten" ist keine Art und Weise mit einem Lebewesen konstruktiv zu kommunizieren und verschlechtert nur die Beziehung zu seinem Hund, da man in seinen Augen unberechenbar wird und fehlende Führungskompetenz beweist.

Echte Führung ist leise, fair und nachvollziehbar.

Ausbildung

Die Ausbildung des Hundes beinhaltet das Beibringen von Kommandos zu einem bestimmten Zweck. Dies kann die Basisausbildung für den häuslichen Bereich und den Aufenthalt im Straßenverkehr als Begleithund sein, aber auch die Ausbildung für den Dummysport, als Rettungshund, als Blindenführhund oder Ähnliches. (Siehe auch: Der Labrador und seine Einsatzgebiete).


Eine Ausbildung ist eine fachliche Spezialisierung und hat nichts mit der Erziehung zu tun.


Die Erziehung kann nur die Bezugsperson übernehmen, die mit dem Hund zusammenlebt und eine Bindung zum Hund hat. Eine Ausbildung kann theoretisch auch eine fremde Person übernehmen, die dann zwar keine Bindung, aber durch den "Lehrauftrag" eine Beziehung zum Hund eingeht.


Idealerweise übernimmt die Hauptbezugsperson alle Bereiche der Ausbildung, sofern sie auch später in allen Bereichen den Hund führt. So lernt der Hund sich voll und ganz auf einen Menschen und seine Eigenarten zu konzentrieren. Natürlich ist es aber auch vor allem in der Familie möglich, dass einer mit dem Hund zum Dummytraining geht und ein anderer beispielsweise zur Jagd.


In diesem Fall wird der Hund in zwei Bereichen ausgebildet. Da beide Bereiche das Apportieren beinhalten, sollte man sich allerdings gut miteinander abstimmen, damit die gleichen Kommandos für den Hund auch immer das Gleiche bedeuten.


Die Hundeausbildung kommt dem Prinzip des Ausbildungsberufes sehr nahe. Auch hier geht es überwiegend um das Auswendiglernen von Begriffen und Abläufen. Der Hund lernt, dass er bei bestimmten Wörtern, ein gewisses Verhalten zeigen soll. Er lernt aber auch Kontext bezogen, also wenn einem Kommando ein bestimmtes Verhalten oder ein Ablauf des Menschen vorangegangen ist.


Weil der Hund von Natur aus über Körpersprache kommuniziert, merkt er sich nicht nur was man sagt, sondern auch wie man es sagt und wie man dabei aussieht. Dazu gehört nicht nur unser Gesicht, sondern unsere gesamte Körperhaltung.


Zusätzlich muss er unsere Wörter, die später das Kommandos werden, erst für sich übersetzen. Er muss unsere Sprache also genauso lernen, wie wir eine Fremdsprache.


Man stelle sich vor, man hätte einen Lehrer, der eine Fremdsprache spricht, die keinerlei Ähnlichkeiten zur eigenen Sprache hat. Dieser wiederholt immer das gleiche Wort und schaut uns erwartungsvoll an, weil man etwas Spezielles tun soll. Man erkennt somit, dass man etwas tun soll, aber nicht, was das sein soll.


Genauso geht es dem Hund. Daher ist es nur fair, es ihm so einfach wie möglich zu machen, herauszufinden, was genau man von ihm möchte.


Das Einfachste ist daher erst einmal ein Lobwort zu konditionieren (siehe auch: Das Beibringen von Kommandos (Konditionierung). Denn dabei kann man mit einer Belohnung arbeiten, die dem Hund signalisiert, dass es sich für ihn lohnt, wenn er dieses Wort hört.


Danach konditioniert man ein Korrekturwort, das ihm durch das Ausbleiben der Belohnung signalisiert, dass es sich nicht für ihn lohnt, was er da gerade tut.


Damit hat man die Grundlage geschaffen, den Hund dazu zu bringen ein bestimmtes Verhalten zu zeigen, indem er eine direkte Rückmeldung bekommt, ob ihn das, was er gerade tut, zur Belohnung führen wird. Bildlich gesehen ist es wie beim Topfschlagen, wo man mit verbundenen Augen über die Signale "heiß" und "kalt" angeleitet wird, bis man am Ziel ist.



Grundlagenwissen:

Das Beibringen von Kommandos (Konditionierung)

Frustrationstoleranz

Korrekturwort