Die Geschichte des Labrador Retrievers

Die Herkunft des heutigen Labradors ist nicht, wie der Name vermuten lässt, auf die gleichnamige Halb-Insel Labrador zurückzuführen und er ist auch nicht, wie lange Zeit angenommen, ein kleinerer Neufundländer, aber dennoch hat er seinen Ursprung in der Küstenregion Neufundlands im Osten Kanadas.

Einer der Urahnen des Labrador, der nach einem Oberst „St. John´s Dog“ benannt wurde, half damals den Fischern, die die heutigen Städte St. John und Avalon in den Sommermonaten als Basis für ihre Tätigkeiten rund um den Fischfang aufsuchten, indem sie vom Boot aus abgetriebene Netze und von der Angel entwischte Fische apportierten. Die Fischer hatten an ihre Hunde jedoch nicht nur die Anforderung, dass er ein guter wasserfreudiger Apporteur sein sollte, der seine Beute mit „weichem Maul“ trug, um sie nicht zu beschädigen und für den Verkauf unbrauchbar zu machen, sondern auch, dass er ein sanfter und treuer Begleiter sein sollte, der ihnen Gesellschaft leistete, da die Fischer in den damaligen kleinen Booten die meiste Zeit alleine unterwegs waren.


So saß der “St. John´s Dog“ neben dem angelnden Fischer und beobachtete ruhig das Geschehen. Wer schon einmal geangelt hat weiß, dass manchmal einige Zeit vergehen kann, bis überhaupt etwas passiert. Hatte dann endlich ein Fisch angebissen und der Fischer holte ihn ein, konnte es passieren, dass er sich kurz vor der Wasseroberfläche vom Haken, der damals noch keine Widerhaken hatte, befreien konnte. Nun musste der „St. John´s Dog“ schnell reagieren und vom Boot ins Wasser springen, um dem Fisch hinterher zu tauchen, ihn zu packen und zurück zum Boot zu bringen.


Wenn man sich einmal gedanklich in die damaligen Zustände zurückversetzt und versteht, was es für eine Katastrophe gewesen wäre, wenn einem ein Fisch entkommen wäre, für den man so viel Zeit aufwenden musste, dann kann man einen Eindruck bekommen, wie wichtig den Fischern ihre Hunde waren und wie sehr sie ihnen vertrauten. Sie waren ein unverzichtbarer Helfer und Begleiter bei der Arbeit und ein wichtiger Gefährte in den einsamen Wintermonaten außerhalb der Fischfangsaison.

Aufgrund der zunehmenden sehr einschränkenden Haltungsgesetze starb der „St. John´s Dog“ in seiner Heimat jedoch bis 1930 nahezu aus.


Dank des zweiten Earls of Malmesbury, der diesen Hundetyp jedoch um 1810 als Jagdhund nach Großbritannien brachte und dort den ersten Labrador-Zwinger aufbaute, konnte der Ursprung der Rasse erhalten bleiben. Alle heutigen Labradore gehen auf diese damaligen Jagdhunde zurück, die sich in den Adelskreisen, in denen vornehmlich gejagt wurde, zunehmender Beliebtheit erfreuten und dort auf jagdliche Leistungsfähigkeit gezüchtet wurden.


Ab ca. 1930 wurde der Labrador auch außerhalb der Jagd (und somit des Adels) immer beliebter und entwickelte sich in zwei Linien weiter. In der Field Trial Linie (oder Arbeitslinie) züchtete man einen kleineren Hund, vor allem im Hinblick auf die Leistung bei der Jagd. In der Showlinie (heute Standardlinie) züchtete man einen größeren, schwereren Typ Labrador, der vor allem im Ausstellungsring überzeugen sollte und der schon bald großen Anklang als Familienhund fand.


Da der ursprüngliche Labrador schwarz war, waren weitere Farben sehr lange nicht offiziell anerkannt. Erst 1899 wurde die Farbe gelb, die Farbe braun noch später, nämlich erst 1964 in den Rassestandard aufgenommen.


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